INTERVIEW27.08.2009 - 17:05
Er gilt derzeit als er der „unschlagbare Jupp”, zumindest in den Boulevardmedien. Doch hinter dem schlagzeilenträchtigen Titel steckt eine beeindruckende Bilanz: Seit seiner Rückkehr in die Bundesliga hat Jupp Heynckes noch kein Spiel verloren. Zunächst blieb er als Coach der Bayern unbesiegt (fünf Spiele), jetzt hält die Serie in Leverkusen an (vier Pflichtspiele, vier Siege).
Guten Tag, Herr Heynckes! Das 5:0 in Freiburg war ein deutlicher Sieg. Gibt es trotzdem etwas an der Leistung Ihres Teams zu bemängeln?
Heute ist Donnerstag, das Spiel gegen Freiburg ist für mich abgehakt. Ich habe mit der Mannschaft das Spiel per Video analysiert, anschließend haben wir nochmals darüber gesprochen. Momentan schaue ich nur nach vorne, auf den Samstag, aufs Spiel gegen den VfL.
Wie schätzen Sie den VfL ein?
Ich kenne den Verein seit vielen Jahren, und weiß um die Ambitionen, die man hat. Ich habe mir die Partie gegen Hertha BSC angeschaut und habe die typischen Bochumer Tugenden wiederentdeckt: Die Mannschaft ist mit Leidenschaft, großem Einsatz und kämpferisch stark aufgetreten. Daran hat sich in all den Jahren nicht viel verändert.
Sie haben im Vorfeld Ihres Engagements in Leverkusen betont, dass dieser Verein aufgrund seiner vielen Talente faszinierend sei. Wie zufrieden sind Sie mit dem Entwicklungsstand Ihrer jungen Spieler?
Es gibt im Fußball immer wieder Prozesse, die eingeleitet werden und die man dann begleiten muss. Wir haben, mit Ausnahme von Sami Hyypiä und Thomas Zdebel, junge Spieler, mit denen man Geduld haben muss. Sie brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Momentan ist das eingetreten, was ich mir vor der Saison erhofft habe: Ich habe eine sehr willige Mannschaft, die überdies kompetent und fleißig ist und nach vorne kommen will, um Erfolg zu haben. Trotz des guten Saisonstarts weiß ich aus Erfahrung, dass es nicht mehr als eine Bestandsaufnahme ist. Ein aussagekräftiges Resümee kann man daher frühestens erst zur Halbserie ziehen.
Sie haben in München zum Ende der letzten Saison hin „ausgeholfen“. Können Sie im Rückblick einen Vergleich anstellen zwischen diesem Kurzzeitengagement und Ihrer jetzigen Tätigkeit für Bayer 04?
Es sind zwei grundverschiedene Clubs: Auf der einen Seite der Traditionsverein und Branchenführer Bayern München, wo ich die Mannschaft für lediglich fünf Spiele übernommen habe, auf der anderen Seite Leverkusen, wo ich versuche, das Team über zwei Jahre zu betreuen. Der Wiedereinstieg in die Bundesliga bei den Bayern hat mir vor dem Hintergrund großen Spaß bereitet, dass ich eine Truppe mit hohem spielerischem Potenzial und etlichen Arrivierten betreuen durfte, die sich letztlich für die Champions League qualifiziert hat. Bayer Leverkusen ist ein seriös arbeitender Club, der ein gutes Organigramm hat, d. h. dass die einzelnen Abteilungen sehr gut bestückt und zusammengestellt sind. Es macht mir hier genauso großen Spaß, mit der Mannschaft zusammenzuarbeiten und sie weiter zu entwickeln. Wir stecken mittendrin in dem Prozess, der Mannschaft wieder ein klares Gesicht zu geben.
Aus Bochumer Sicht sind die ehemaligen VfL-Akteure Gekas und Zdebel interessant. Werden wir die beiden am Samstag auf dem Platz zu sehen bekommen?
Thomas Zdebel wurde bereits zweimal eingewechselt, er ist ein Vollprofi, der absolut konzentriert zu Werke geht. Er ist inzwischen 35 Jahre alt und war länger verletzt, ist aber immer ein Vorbild auf dem Trainingsplatz. Deshalb hat er die Chance auf Kurzeinsätze bekommen. Zu Theofanis Gekas ist zu sagen, dass er sich mittlerweile ganz anders verhalten soll als zu Beginn seiner Leverkusen-Ära. Er trainiert sehr fleißig, ist in jeder Einheit sehr ehrgeizig und hat in den Vorbereitungsspielen viele Tore erzielt. Deswegen stand er im Pokalspiel gegen Babelsberg von Anfang an auf dem Platz. Dann hat Eren Derdiyok dort den Siegtreffer erzielt, sodass Derdiyok und Kießling zum Bundesliga-Auftakt das Sturmduo bildeten und Theo ein bisschen ins Hintertreffen geraten ist. Aber er arbeitet weiter und ich denke, dass er für uns noch sehr wichtig sein kann und wird.
Wir sind sehr gespannt auf die neue BayArena. Wie lautet Ihr Fazit zum neuen Leverkusener Wahrzeichen?
Es ist ein Schmuckkasten, ein reines Fußballstadion. Eine Arena, in der es Spaß macht zu spielen. Für meine Mannschaft ist es wichtig, nach dem Ausweichen nach Düsseldorf wieder eine Heimstatt zu haben und echte Heimspiele auszutragen. Ich denke, dass sich das auch positiv auf unserem Punktekonto bemerkbar machen wird. Als Profifußballer und auch als Trainer finden wir hier Bedingungen vor, die optimal sind. Wir können zum Beispiel gemeinsam die Mahlzeiten einnehmen, die medizinischen Einrichtungen sind topp, wie überhaupt die gesamte Struktur. Davon kann man eigentlich nur träumen.
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