INTERVIEW28.08.2009 - 16:25
Für Stanislav Sestak könnte es eine ganz besondere Woche werden: Zunächst will er mit dem VfL bei Bayer Leverkusen möglichst dreifach punkten, danach könnte er sich einen Traum erfüllen und mit der Slowakei innerhalb der nächsten sieben Tage schon das Ticket für Südafrika buchen. Wie das im Einzelnen funktionieren kann, sagt er uns.
Hallo Stani! Auf Schalke wenig elanvoll, gegen Hertha wuchtig und leidenschaftlich – welches VfL-Gesicht werden wir in Leverkusen zu sehen bekommen?
Wir wollen so auftreten wie zuletzt zu Hause. Gegen Mönchengladbach haben wir für 45 Minuten, gegen Hertha über die volle Distanz unser wahres Potenzial gezeigt. Eine Leistung wie gegen Schalke, die für mich nach wie vor unerklärlich ist, muss die Ausnahme bleiben. Wir haben zuletzt gezeigt, dass wir gegen höher angesiedelte Mannschaften in der Lage sind zu gewinnen.
Wie lautet der Plan fürs Leverkusen-Spiel?
Der Trainer hat ein paar Ideen, es liegt an uns, die nach seinen Vorstellungen umzusetzen. Wenn das klappt, werden wir mit einem positiven Ergebnis die Heimreise antreten. In der vergangenen Saison haben wir einen Punkt aus Leverkusen bzw. Düsseldorf entführt, obwohl Bayer gegen uns unheimlich Druck machen und das Spiel gewinnen wollte. Momentan sind sie Tabellenführer, haben sehr gute Ergebnisse erzielt und können befreiter als im letzten Jahr auflaufen. Dennoch glaube ich, dass der Punktgewinn vom Vorjahr für uns zu wiederholen ist. Wenn nicht sogar noch mehr.
Marcel Koller hat nach dem Schalke-Spiel ungewohnt harsche Worte gewählt. Habt ihr ihn da von einer anderen Seite kennen gelernt?
Er vertritt seine Meinung immer sehr deutlich, und hat uns klar gemacht, dass das, was wir auf Schalke gezeigt haben, in dieser Form nicht akzeptabel ist. Offenbar hat er sich verständlich ausgedrückt, denn gegen Hertha war ein ganz anderer Zug drin.
Nach deinem Kopfballtreffer gegen Gladbach hast du gegen die Berliner zwei gute Chancen, ebenfalls per Kopf, nicht genutzt. Mutierst du zum Kopfballungeheuer?
Wohl eher nicht. Schließlich waren die Möglichkeiten gegen Hertha so gut, dass ich mindestens die erste Chance reinmachen muss. Ich habe den Ball nicht richtig getroffen, deshalb ist er vorbeigegangen. Im ersten Spiel hat es noch super geklappt. Grundsätzlich ist es egal, ob ich treffe oder nicht – wichtig ist, dass wir drei Punkte mehr auf dem Konto haben. Klar, bin ich immer etwas enttäuscht, wenn ich nicht treffe, aber ich sage mir dann, dass ich im nächsten Spiel schon wieder die Gelegenheit bekomme, es besser zu machen.
Gegen Bayer triffst du mit dem Kopf oder mit dem Fuß?
Von mir aus mit dem Bauch! (lacht) Ich will der Mannschaft helfen, dass ist mein oberstes Ziel. Wenn ich ihr durch Tore helfen kann: umso besser.
Nächste Woche steht das nächste wichtige WM-Qualifikationsspiel für dich an. Die WM 2010 ist dein großer Traum?
Am Montag versammeln sich die Nationalspieler, um sich auf das wichtige Duell mit Tschechien zu konzentrieren. Das Spiel ist schon seit Monaten ausverkauft, uns werden 30.000 Zuschauer nach vorne peitschen. Das Bruderduell steht natürlich unter einem ganz besondern Stern, nicht erst seit unserem Sieg im Hinspiel in Tschechien. Übrigens am 1. April, einem richtig schönen Datum. (grinst) Wir brauchen die Punkte, und es wäre gut, wenn wir aus dem Spiel gegen die Tschechen sowie der Partie in Nordirland schon mindestens vier Punkte holen könnten – dann wären wir so gut wie qualifiziert. Wir werden alles geben, damit unser Traum wahr wird.
Wie dürfen wir uns das Duell zwischen der Slowakei und der Tschechischen Republik vorstellen?
Es herrscht eine sehr große Rivalität, obwohl wir – oder vielleicht gerade deshalb –jahrzehntelang eine Nation waren. Man darf sich das nicht so vorstellen wie bei den ehemaligen jugoslawischen Staaten, wo sich die Völker sogar bekriegt haben, aber es geht emotional richtig zur Sache. Das Publikum ist frenetisch und geht ein bisschen mehr mit als gegen andere Mannschaften. Wie ich gehört habe, mobilisiert die tschechische Mannschaft die letzten Kräfte, sogar Jan Koller hat sein Comeback angekündigt. Wir müssen aggressiv zu Werke gehen, und wenn wir nach Südafrika wollen, müssen wir die Tschechen vom Platz putzen.
Was ist für den VfL und für dich in dieser Saison drin?
Wir sind zu Hause noch ungeschlagen, daran sollte sich möglichst bis zum Saisonende nichts ändern. Und wenn wir von unseren Auswärtsreisen auch noch etwas mitbringen, dann ist sogar ein einstelliger Tabellenplatz drin. Es geht aber nur mit der Einstellung wie gegen Hertha. Eine Situation wie in der Vorsaison, wo wir monatelang ganz unten in der Tabelle standen, möchte von uns niemand mehr erleben.
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